Kitzinger Jugend zu Gast in Frankreich

Kitzinger Jugend zu Gast in Frankreich

Der Aerokurier berichtet über unsere Jugendaustausch-Aktion: https://www.aerokurier.de/segelflug/jugendaustausch-kitzinger-jugend-zu-gast-in-frankreich/


Kitzinger Jugend zu Gast in Frankreich

Jugendlager sind für Nachwuchsluftsportler oft der Höhepunkt des Jahres. Die junge Garde des LSC Kitzingen hat den großen Sprung gewagt und im Südwesten Frankreichs ihren fliegerischen und kulturellen Horizont erweitert.

„Salut les jeunes pilotes“ oder „hallo junge Piloten“ hieß es für die Jugendgruppe des Luftsportclub Kitzingen (LSC) bei ihrer Ankunft im französischen Challes-les-Eaux. Die neun Segelflugpilotinnen und -piloten im Alter von 18 bis 27 Jahren machten sich im Juni für eine Woche auf in die französischen Nordalpen, um dort Teil eines deutsch-französischen Jugendaustausch zu werden. Gefördert wurde die Begegnung der jungen Segelfliegerinnen und Segelflieger vom Deutschen Olympischen Sportbund aus Mitteln des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW).

Doch kein Austausch und erst recht keien Fliegerei ohne Kommunikation, daher standen zunächst Vokabeln und das Erlernen der nötigen Sprechfunkgruppen, die nötig sind um einen sichern Flugbetrieb in der französischen Sprache zu ermöglichen, im Fokus. Zwar musste man sich zu Beginn der Veranstaltung noch recht viel mit der englischen Sprache behelfen, doch schon bald konnte der funkverkehr ins solidem Französisch abgewickelt werden. Nicht zuletzt war für die Sprachbildung und die Klärung aller Fragen rund um den Flugbetrieb eine eigens angereiste Dolmetscherin – eine frisch gebackene Französisch-Abiturientin – der Joker.

Nach einer ausführlichen Einweisung in die Gegebenheiten des Gebirgfluges konnte der Flugbetrieb mit den beiden mitgebrachten Segelflugzeugen des LSC Kitzingen und den Schulflugzeugen des CSVVA Challes beginnen. Eine Besonderheit war hier der Schuldoppelsitzer des LSC – ein Perkoz von Allstar Glider – der aus den Mitteln des europäischen Förderprojektes Leader kürzlich angeschafft werden konnte. Hier fand in gemischten deutsch-französisch Besatzungen aus Fluglehrern und Flugschülern Austausch im besten Sinne statt – gelebte deutsch-französische Freundschaft. Mit zunehmender Vertrautheit mit dem fremden Fluggelände und den Abläufen konnte sich dann auch die Jugendgruppe des LSC nach und nach im Bodenbetrieb des L’aérodrome de Chambéry – Challes-les-Eaux einbringen. Hieß: Flugzeuge schieben, Lepo fahren und gemeinsam Ein- und Aushallen. Spätestens an dieser Stelle waren alle anfänglichen Bedenken der beiden Clubs in Bezug auf mögliche Probleme einer bilingualen Zusammenarbeit ausgeräumt.

Das Team der deutschen und französischen Nachwuchs-Segelflieger.

Fliegen am Gebirgsmassiv
Für die Kitzinger Flugschülerinnen und Flugschüler, die sich bis dahin nur in den relativ flachen Gefilden des mainfränkischen Luftraums bewegten, war es ein atemberaubendes Gefühl an den Gebirgsmassiven zwischen Bauges und Chartreuse nach Aufwinden zu suchen. Die Woche war geprägt von bestem Sommerwetter und guten Gebirgsflugbedingungen. Einer Formation aus einsitzigen Segelflugzeugen der Streckensegelflug-Sportmannschaft des LSC Kitzingen und einem Ortskundigen Guide gelang unter diesen Bedingungen sogar der Aufstieg zum 4800 Meter hohen Mont Blanc. Nach drei wundervollen aber auch anstrengenden Flugtagen bei bis zu 35 Grad Celsius wurden zur Wochenmitte die Flugzeuge im Hangar gelassen und die wundervolle Gebirgslandschaft mit ihren Bergseen und Wasserfällen in der großen und bunt gemischten Truppe erkundet.

Am Ende eines jeden Tages nach einer hervorragenden Bewirtung durch den CSVVA Challes stand natürlich auch die Sprachförderung und -animation auf dem Programm. Hier wurde im spielerischen die Teambildung gestärkt und die gute deutsch-französische Partnerschaft auch bei der jungen Generation gefestigt. Gerade in den aktuellen, turbulenten Zeiten war es den Organisatoren der Jugendbegegnung besonders wichtig, diesen Gedanken weiter zu stärken.

Der Kassensturz am Ende der ereignisreichen Woche ergab fünf Flugtage mit 35 Flügen und fast 40 Flugstunde. Die hervorragende Organisation und die professionell-flexible Art der französischen Fluglehrer hat den jungen Kitzinger Fliegern nicht nur viele schöne Momente beschert, sondern auch deren fliegerischen Fähigkeiten bereichert. Die angenehme und freundschaftliche Atmosphäre innerhalb der Gruppe machte den Abschied aus Challes-les-Eaux schon schwer, aber es laufen bereits die Planungen für einen Gegenbesuch der französischen Jugendgruppe in Kitzingen im kommenden Jahr. So hieß es zum Abschied der beiden Vereine nicht „lebe wohl“, sondern „au revoir nos amis“ – auf ein Wiedersehen, unsere Freunde!


Unsere Kitzinger LS3 vor dem Mount Blanc

Segelflug zur Zugspitze

Segelflug zur Zugspitze

Die MainPost berichtet über den Segelflug zur Zugspitze des Kitzinger Fluglehrers Arnulf Koch: https://www.mainpost.de/regional/kitzingen/premiere-kitzinger-segelflieger-schafft-es-in-einem-flug-zur-zugspitze-und-zurueck-art-10878317

Mehr Infos und Bilder in diesem Google-Docs: https://docs.google.com/document/d/1ICIxrrTj2yQKrnZYvR7_pDobvdpqj_yKZvUTcCbntow/edit?usp=sharing


Artikel der MainPost:

Premiere: Kitzinger Segelflieger schafft es in einem Flug zur Zugspitze und zurück

Optimale Aufwinde, viel Geduld und fliegerisches Können ermöglichten Arnulf Kochs Glanzstück: Er absolvierte 589 Kilometer ohne Motor in einem Flug, acht Stunden lang eingezwängt auf engstem Raum – aber glücklich.

Arnulf Koch fliegt mit Begeisterung Segelflugzeuge. Und was ihn immer wieder in das Luftgefährt steigen lässt, ist das fast lautlose Dahingleiten in großer Höhe, weit weg vom Alltag, mit einem phänomenalen Ausblick auf die Landschaft unter ihm. Man fliegt nur mit der Energie der Natur und diese führt einen oft an andere Orte, als man vorher gedacht hat.

Koch hat sich seinem Hobby ganz verschrieben, ist auch berechtigt, Kunstflüge auszuführen und Flugschüler zu unterrichten. Auf circa 80 bringt er es bis heute. Seit 30 Jahren ist er Mitglied im Luftsportclub Kitzingen (LSC), einem Verein, der stolz darauf ist, umweltbewusst zu arbeiten. So wird die Elektrowinde zum Hochziehen der Flugzeuge vom eigenen Photovoltaikfeld gespeist. Schon mit 18 Jahren hat der Softwareentwickler Koch seinen ersten Flugschein gemacht; seitdem lässt ihn die Liebe zum freien Schweben im Himmel nicht mehr los.

Ein sportlicher Aspekt kommt dazu: Auch beim Segelflug gibt es Wettbewerbe, so wie den dezentralen Wettbewerb des Deutschen Aeroclubs, die Deutsche Meisterschaft im Streckensegelflug (DMSt). Hierfür muss man Strecken selbst ankündigen und dann versuchen, sie abzufliegen. Pro Streckenkilometer gibt es Punkte, die übers Jahr gesammelt werden. Arnulf Koch kann hier auf einen 120. Platz in der deutschen Gesamtwertung blicken, schon kurz hinter den Profis und bei rund 10.000 Piloten, die daran teilnehmen.

Ein Segelflug, den vorher noch keiner absolviert hat

So hat es ihn gereizt, als Ende Juli plötzlich in Süddeutschland eine Wetterlage herrschte, die zum spannenden Abenteuer einlud. Koch hatte vor, ohne jede Unterstützung zur Zugspitze zu fliegen. Es sollte das erste Mal sein, dass diese Strecke von Kitzingen aus im Segelflug erfolgreich geflogen würde. Die reine Flugstrecke beträgt hin und zurück 589 Kilometer. Der Plan: ohne Motor zu fliegen, nur mit der Energie der Sonne, die die Thermik, die Aufwinde, bewirkt.

Die Besonderheit bei einem Flug zur Zugspitze – oder den Alpen generell – ist das deutsche Mikroklima. Dieses bildet sich entlang der Mittelgebirge, der Flusstäler und der Ebenen aus und ändert sich immer wieder. Um die Alpen mit dem Segelflugzeug zu erreichen, muss man viele stark unterschiedliche Mikroklima-Bereiche durchfliegen, die jeweils ganz andere Voraussetzungen für den Segelflug bieten. Und fast immer ist ein thermikloser Bereich dazwischen, der Segelflüge unmöglich macht.

Koch: „Wie ein Sechser im Lotto“

Im schlimmsten Fall muss man dann außenlanden, auf einer Wiese, in einem Acker. Das ist einerseits normal für einen Segelflieger, denn wenn die Thermik weg ist, geht nicht mehr viel. Andererseits bedeutet es aber eine lange Rückholaktion für die Helfer. Eine Wetterlage wie an dem Startsonntag, die überall grundsätzlich Thermik vorhersagt, kommt nur an wenigen Tagen im Jahr vor. „Das fühlt sich für einen Berufstätigen, der nur am Wochenende fliegen kann, wie ein Sechser im Lotto an“, sagt Arnulf Koch

Aber Koch hatte Glück: Nach dem Start in Kitzingen ging es bei gutem Wetter bis ins Unterallgäu. Dort ließen die Aufwinde nach. Anstatt gerade auf das Ziel zuzufliegen, musste der Pilot immer wieder Wolken und Wolkenfetzen ausprobieren, um aufsteigende Thermik zu finden. Es ergab sich ein Zickzack-Flug bis hin zur Zugspitze, die sich dann auch noch in Wolken hüllte. Also musste Koch den Weg von hinten her suchen, was ihm schließlich gelang.

Diesen Segelflug wird Arnulf Koch nie vergessen

Auch auf dem Rückweg gab es Probleme mit der Thermik; deshalb glaubte Koch erst nicht daran, es noch in einem Flug bis nach Kitzingen zurück zu schaffen. Doch nach acht Stunden und zehn Minuten Flugzeit hatte ihn der Kitzinger Boden wieder und der überglückliche Pilot wurde enthusiastisch von seinen Kollegen begrüßt, die vom Boden aus mitgefiebert hatten. Koch wird diesen Flug nie vergessen, zumal er auch für sein Punktekonto gewinnbringend war.